Das Kopialbuch von Max Kalus

Rezension von Christof Menear



Das Kopialbuch von Max Kalus ist (eine) schöne Geschichte zum Miterleben.
Einen erklärenden Einstieg in das Spiel gibt es nicht, als Schreiber der Fugger wachst Du nachts auf, Deine nächtliche Gespielin hat Euer heimliches Lager verlassen und du bist eingesperrt worden. Als Du der Sache nachgehst entdeckst Du, dass das Kopialbuch gestohlen wurde.

Wer unter der Hilfe weder die "historischen Anmerkungen" noch "das 16. Jahrhundert" studiert, wird nicht verstehen worum es geht - oder zumindest nur einen Teil davon. Das sollte aber nicht der einzige Grund sein, diese zwei Kapitel zu lesen, sie sind nämlich eine schöne Auffrischung alten Schulwissens (oder für denjenigen, der das Thema nicht hatte, eine kurzer Crashkurs). Kurz und bildhaft erhält man eine Einweisung in das Leben des 16. Jahrhunderts und der Fugger.

Die Geschichte:
Die Geschichte, die an einen historischen Ort gelegt wurde, ist in sich schlüssig und entwickelt sich Stück für Stück im Laufe des Spiels weiter. Langsam baut sich die Spannung auf und das Gefühl, jeden Augenblick dem nächtlichen Einbrecher über den Weg zu laufen, steigt Zug um Zug.

Auf der Suche nach dem Dieb findet man sowohl Indizien als auch (historisch dokumentierte) Briefe, die einem die Hintergründe verdeutlichen. (Sollte man sich beim Lesen der theutschen Briefe etwas schwer tun - ein kleiner Tipp: Laut vorlesen hat mich so manches Wort erkennen lassen, dass ich vorher nicht sofort zuordnen konnte)

Programmierung:
Solide und konsistent sind praktisch sämtliche Objekte implemtiert, bis auf einige wenige Ausnahmen, die aber bis auf ein einziges Mal nicht Spielentscheidend sind (mehr unter SPOILER). Die Raumbeschreibungen hätten den einen oder anderen Absatz vertragen können, vor allem der Hof und die Hofstube - dort war es schon schwierig den Überblick über alle Himmelsrichtungen zu behalten.

Da der Schwerpunkt auf der Geschichte und nicht den Rätseln liegt, wurden wohl einige Prozesse vereinfacht und können so mit einem einzigen Verb abgehandelt werden (mehr unter SPOILER). Rätselrater und Fans komplexer Rätsel werden hier nicht ihre Erfüllung finden.

Die Interaktion mit "meiner" Geliebten fällt im Vergleich zum Rest des Spiels etwas dünn aus, außer dass sie mir ohne meine Nachfrage sowieso Hinweise zu Geschehnissen gibt, kann ich ihr Handeln nicht beeinflussen.

Fazit:
Ein durch und durch solides Spiel mit ordentlicher Programmierung und guter Geschichte. Geschichtliche Hintergrundinformationen und ein schönes Hilfesystem runden das Spiel ab. Eines der wenigen Spiele, die ich auch gerne ein zweites Mal gespielt habe (und das will etwas heißen), um weitere (historische) Details zu entdecken.

SPOILER:
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An meinen Nerven zerrte die Öffnung in der Vertäfelung: Bei Untersuchung findet man eine Unregelmäßigkeit. Möchte man diese Unregelmäßigkeit untersuchen, erhält man wieder die Beschreibung der Vertäfelung - ohne Hinweis, dass es aussieht wie eine Klappe oder dass es etwas zum Öffnen ist. Vielleicht war es Dummheit von mir nicht darauf zu kommen die gesamte Vertäfelung zu öffnen, aber ich habe echt lange gebraucht um durchzublicken.

Der Kampf mit Franz hätte ein wenig ausgefeilter sein können, so genügt es im richtigen Moment >KÄMPFE einzugeben und alles weiter passiert von alleine.

Sehr schön fand ich die falsche Fährte mit der Kanone (mit der man bei Holywood Hijinx ja etwas erreichen konnte).