Wilhelm Tell deutsche Übersetzung von Florian Edlbauer
(Original von Sonja Kesserich und Roger Firth)

Rezension von Max Alletsee



Ich muss gestehen: ich kenne die Willhelm-Tell-Sage bisher nur aus Erzählungen und ich habe die Tell-Übersetzung ins Deutsche von Florian Edlbauer gelesen, um mich auf die Schullektüre ("Willhelm Tell" von Schiller) vorzubereiten. Man möge mir die eine oder andere sinnlose Situation verzeihen.

Tell startet direkt, keine lange Vorgeschichte, kein langes Gerede. Der Spieler ist Willhelm Tell, der versucht, in der Stadt Lederwaren zu kaufen. Dies ist natürlich nicht das eigentliche Ziel des Spiels, sondern die Sage um den Meisterschützen Tell steht im Mittelpunkt. Ich habe das Spiel insgesamt drei Mal gespielt, und ich kann nicht sagen, ob der Schwierigkeitsgrad des Spiels oder meine mangelhafte Textadventure-Erfahrung Schuld an dem meiner Meinung nach schlechten Abschneiden ist, ich habe im besten Durchgang 2 von vier möglichen Punkten geholt, beim allerersten Spielen ging ich ganz leer aus und beim zweiten Mal musste ich mich mit einem Punkt zufrieden geben. Aber nun zum wirklichen Spiel:

Plus-Punkte

Klare Beschreibungen, klare Handlungen. Alle nötigen Informationen sind im Text vorhanden, man muss die Tell-Sage nicht gelesen haben um zu kapieren was man tun soll - grobes Wissen reicht. Wer sich aber absichtlich gegen das Spiel stellt, bekommt die Konsequenzen seiner Handlungen gezeigt. So hatte ich es während des Spielens geschafft, gar nicht auf die weltberühmte Apfel-Szene zu stoßen indem ich mich kooperativ gegenüber den Soldaten verhielt. Auch der Vogt ist nicht unsterblich, ich hatte ihn einmal erschossen.

"Tell" ist ein sehr kurzes Textadventure, aber man fühlt sich sofort heimisch und es wird erstaunlich viel Geschichte in dieses kleine Ding gepackt. Ich habe auch keine Rechtschreib- oder Satzbaufehler gefunden, obwohl ich zugeben muss, dass ich nicht explizit danach gesucht habe.

Minus-Punkte

Tell ist meines Erachtens sehr sehr kurz. In einigen Szenen passiert gar nichts, man muss sich nur durch sie hindurch bewegen wie durch eine Kulisse. Allgemein ist nicht viel zu tun, es gibt keine Rätsel im klassischen Sinn.

Fazit: Weder Fisch noch Fleisch - weder Geschichte noch Adventure. Ein Abenteuer, das sich anscheinend bewusst zwischen die Stühle setzt - und es dennoch schafft, die Geschichte interaktiv zu erzählen. Wenn man es jedoch nüchtern betrachtet, macht der Spieler nur eine Aktion (einmal abgesehen vom Gehen von einer Szene in die andere) - wirklich ein Adventure?

Ich muss sagen, dass ich Tell gerne gespielt habe, es ist ein wunderschönes Spiel wenn man einfach eine sauber geschriebene Geschichte lesen möchte. Wer jedoch rätsellastige Abenteuer bevorzugt, wird von "Tell" vermutlich schnell ablassen.
Dennoch sorgt die klar erzählte Geschichte für Spaß und Spannung und lässt einen die Rätsel - zumindest solange man spielt - nicht vermissen. Wenn man jedoch danach noch einmal nachdenkt, was man gespielt hat, wird man ernüchtert sein. Eine schöne Geschichte macht eben doch kein perfektes Spiel, aber es trägt entscheidend dazu bei.
Trotzdem ein gutes Spiel: Schulnote 2 oder 7 von 10 Punkten